Präsentation des Projekts Kulturpalast in Stuttgart - powered by diedenker-FlipBook 1.0T - www.diedenker.com: Kultur (lat. cultura, Pflege des Körpers, vornehmlich aber des Geistes; später in Zusammenhang mit dem Landbau: von colere, bebauen, (be)wohnen, pflegen, ehren, ursprünglich etwa: emsig beschäftigt sein) ist im weitesten Sinne alles, was der Mensch selbst gestaltend hervorbringt, im Unterschied zu der von ihm nicht geschaffenen und nicht veränderten Natur. Kulturleistungen sind alle formenden Umgestaltungen eines gegebenen Materials, wie in der Technik, der Bildenden Kunst, aber auch geistiger Gebilde wie etwa in der im Recht, in der Moral, der Religion, der Wirtschaft und der Wissenschaft. Damit bezieht sich der Begriff der Kultur zum einen auf die Fähigkeit des einzelnen Menschen, auf geistiger und körperlicher Ebene gestaltend und hervorbringend die Welt und sich selbst zu verändern, als auch auf eine Gruppe von Menschen, beispielsweise ein Volk, und die von ihm überlieferten und ausgeübten Kulturleistungen und -techniken. Als Sammelbezeichnung für Religion, Wissenschaft, Kunst, Moral, Recht, Technik usf. bezieht sich der Begriff "Kultur" allein auf den Menschen, während einzelne Kulturtechniken, wie etwa Werkzeuggebrauch, auch bei Tieren anzutreffen sind. Der Mensch sieht sich gegenüber der natürlichen Umwelt vielen Herausforderungen und Gefahren gegenübergestellt und ist wie jedes Lebewesen darauf angewiesen, seine biologisch-physiologischen Bedürfnisse aus seiner natürlichen Umwelt heraus zu befriedigen. Kultur kann als Reaktion auf diese wechselnden Herausforderungen aufgefasst werden. Allerdings stößt ein solches Kulturverständnis recht schnell an seine Grenzen. So versuchte beispielsweise Bronis³aw Malinowski, im historischen Rückblick die an den Menschen gestellten Herausforderungen als "Grundbedürfnisse" des Menschen freizulegen. Anhand von historischen Vergleichen versuchte er eine endliche Zahl solcher Grundbedürfnisse freizulegen, aus welchen sich dann alles menschliche Tun erklären ließe. Auch funktionalistisch-evolutionistische Kulturtheorien etwa sehen in den verschiedenen Kulturtechniken allein Mittel, die dem Zweck des Überlebens dienen. Kultur wäre dann die Befriedigung der immer gleichen menschlichen Bedürfnisse. Es kann jedoch nicht ohne Weiteres davon ausgegangen werden, dass Kulturerzeugnisse lediglich Urbedürfnisse des Menschen befriedigen. Dies wird etwa am modernen Verkehrswesen deutlich: So ermöglichen es neue technische Verkehrsmittel nicht nur, größere Entfernungen zu überwinden, sondern es wird mit ihnen zugleich gesellschaftlich notwendig, immer größere Entfernungen zurückzulegen. Daher kann nicht ohne Weiteres davon gesprochen werden, dass etwa das Flugzeug ein Urbedürfnis nach Interkontinentalflügen befriedigt. Kulturinstitutionen sind daher nicht allein eine Antwort auf Anforderungen durch die Natur oder auf natürliche Bedürfnisse, sondern auch eine Reaktion auf durch sie selbst hervorgebrachte Strukturen; sie erfordern neue Institutionen (Malinowski), weshalb ihr wesentlich eine Selbstbezüglichkeit eingeschrieben ist. So bedient etwa auch die moderne Kulturindustrie mit Musik, Kino und Fernsehen keine überlebenswichtigen Bedürfnisse, sondern stellt eine Eigenwelt da, welche gewisse Bedürfnisse erst hervorbringt. Dass mit Kulturleistungen nicht nur Nöte bewältigt werden, sondern mit ihnen einer Freude am Entdecken, am Erfinden und Schaffen von Neuen einhergeht, die nicht auf einen unmittelbaren Nutzen zielt, lässt sich gut ablesen am Werk des Kulturphilosophen Ernst Cassirers und dessen Auseinandersetzung mit der Renaissance.[4] Hierbei ist vor allem zu bedenken, dass gerade technische Neuerungen in der Renaissance nicht allein der besseren Bearbeitung der Natur dienten und also der Befriedigung grundlegender Bedürfnisse, sondern zu großem Teil in der Kunst zum Einsatz kamen.